Dokumentarfilm - Ein Exposé von Robert Gummlich

 

Das Buch - Inhaltsangabe

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Vorgeschichte: 2015 entlässt Frankreich die bisherigen als Territoire d'outre-mer verwalteten polynesischen Inseln in die Unabhängigkeit. Vorausgegangen war ein Volksaufstand mit Schwerpunkt auf Tahiti, der sich gegen den geplanten Verkauf der heiligen Insel Raiatea und der Nachbarinsel Bora Bora richtete. Aus dem Erlös dieses Verkaufs an ein chinesisch-amerikanisches Wirtschaftskonsortium erhoffte sich Paris genügend Geld, um den Regressforderungen, die als Folge der französischen Atomversuche von den Polynesiern in immer größerer Zahl erhoben wurden, weiterhin nachkommen zu können. Als sich der Widerstand zu regen begann, schickte Frankreich zur Abschreckung Kriegsschiffe nach Tahiti. Im Hafen von Papeete kam es zu dem alles entscheidenden Eklat: eine französische Fregatte pflügte drei Ruderboote der Rebellen unter, die ihr zu nahe gekommen waren. Der Unfall forderte 23 Tote auf Seiten der Aufständischen, was zu weltweiten Solidaritätskundgebungen mit den Tahitianern führte. Am Ende dieser Auseinandersetzung gab Frankreich der Forderung nach Unabhängigkeit nach.

Unser Roman beginnt sieben Jahre später, im Jahre 2022. Die ökonomischen wie ökologischen Bedingungen auf der Erde haben sich dramatisch verschlechtert. Der Supra-Kapitalismus der Industriestaaten erweist sich als unfähig, die Probleme zu lösen. Dass dies möglich ist, zeigt ein sozio-ökologisches gesellschaftspolitisches Modell, das mit EU-Geldern sieben Jahre lang auf Tahiti  gefördert wurde. Das Inselreich Tahiti hatte sich den Geldgebern der EU gegenüber verpflichtet, die Ergebnisse des gesellschaftlichen Umbaus nach einigen Jahren totaler Abschottung offen zu legen. Die Regierung in Papeete lädt die Weltpresse also zu einem dreimonatigen Aufenthalt auf Tahiti ein, um die Errungenschaften in der Praxis zu demonstrieren. Das internationale Reportage-Magazin „Emergency“ schickt seinen Star-Reporter Cording nach Tahiti. Cording war bereits während der Unruhen vor neun Jahren auf der Insel. Nun lautet sein Auftrag, das Tahiti-Projekt als politisches Sektierertum zu entlarven.

Cording (47) ist ein routiniertes journalistisches Schlachtross, unbestechlich, aber abgestumpft. Sein Interesse an dem Tahiti-Projekt ist gering, eigentlich freut er sich nur auf einen sonnigen Urlaub an den Traumstränden der Südsee. Zu seinem Verdruss stellt man ihm jedoch den introvertierten neunzehnjährigen Steve zur Seite, Sohn der Chefredakteurin, der einfach mal raus soll aus seiner gewohnten Umgebung.

Cording, der mit dem jungen Computerfreak wenig anzufangen weiß, empfindet dessen Gegenwart zunächst als Belastung. Auf Tahiti angekommen, entfernt er sich nach dem offiziellen Briefing von der Insel, um auf der Nachbarinsel Moorea, die zu den Gesellschaftsinseln und dort zu den „Inseln über dem Winde“ zählt, einige Tage der absoluten Ruhe zu genießen.

Mit diesem Verhalten verstößt er gegen die Auflagen. Die ihm zugewiesene Begleiterin Maeva lehnt es ab, für diesen Mann in offizieller Mission weiterhin tätig zu werden. Das teilt sie auch ihrem Bruder, dem Präsidenten Omai mit. Omai und Cording kennen sich. Omai war einer der Wortführer unter den Aufständischen. Der Journalist aus Deutschland und der junge Rebell hatten damals ein fast freundschaftliches Verhältnis zueinander entwickelt.

Es ist Omai selbst, der Cording aufspürt. Er erklärt ihm, warum er gerade auf ihn so große Hoffnungen setzt. Cording ist beschämt und stellt sich seiner journalistischen Aufgabe, die er aber anders interpretiert, als vorgegeben. Selbst einem Zyniker wie ihm bleibt nicht verborgen, dass die hervorgerufenen Veränderungen auf Tahiti ein anderes gesellschaftliches Klima nach sich gezogen haben. Sie haben die kulturellen Wurzeln der Tahitianer freigelegt, welche sich mit dem neuen „System“ im paradiesischen Einklang befinden - auf höchstem technischem Niveau.

Cording, der die Insel an der Seite der alsbald versöhnten Maeva erkundet, verwandelt sich in wenigen Wochen vom Skeptiker zum Befürworter des Tahiti-Projekts. Auch der neunzehnjährige Steve findet aus seiner virtuellen Kunstwelt in die Wirklichkeit zurück. Er schließt Freundschaft mit jungen Einheimischen und findet langsam zu sich selbst. Das Verhältnis zu Cording entspannt sich. Plötzlich wird Steve nach England zurück gerufen. Seine Mutter ist gestorben.

Cording reagiert auf die dringlicher werdenden Mahnungen seiner Redaktion, die Reportage nun endlich abzuschließen, hinhaltend. Ihm wird klar, dass es dieser „Südsee-Sekte“ gelungen ist, jene Grundübel zu beseitigen, unter denen die globalisierte Industriegesellschaft krankt. Egoismus, Rücksichtslosigkeit und Gier scheinen wie von Zauberhand beseitigt. Seine einzige Sorge besteht darin, dass die auslaufende Aufenthaltserlaubnis nicht verlängert wird. Die Regierung hat ein gewisses Kontingent an Besuchern festgeschrieben, um die Ressourcen der Insel zu schonen. Sie achtet sehr genau darauf, dass diese Zahl eingehalten wird.

Eines Tages - Cording hat sich mit seiner baldigen Abreise bereits arrangiert - meldet sich die Chefredaktion von „Emergency“ bei ihm. Sein alter Kumpel Mike Kühling ist Nachfolger der verstorbenen Chefredakteurin Lydia Parker geworden. Er berichtet Cording von einer Begegnung mit einem dänischen Wissenschaftler, der ihm gesteckt hatte, dass Amerikaner und Chinesen beabsichtigten, die Manganvorkommen vor Tahitis Nachbarinsel Makatea großzügig abzubauen, um im Rennen nach den letzten fossilen Energiebestände nicht ins Hintertreffen zu geraten. Die Verletzung der tahitianischen Hoheitsgewässer wird dabei ebenso billigend in Kauf genommen, wie der Bruch der UN-Konvention, wonach jeder Abbau von Bodenschätzen auf dem Meeresgrund verboten ist. Der dänische Wissenschaftler sei ein ehemaliges Mitglied des Forschungsteams, das die Ergiebigkeit der Manganvorkommen untersucht und effektive Abbaumethoden entwickelt hatte. Falls die illegale Aktion, wie zu befürchten ist, im großen Stil durchgezogen werde, würde den polynesischen Inseln auf absehbare Zeit „der Sockel entzogen“, auf dem sie ruhen und eine Ökokatastrophe ungeahnten Ausmaßes nach sich ziehen.

Cording ist wie elektrisiert. Er trifft sich mit dem dänischen Wissenschaftler, der unter falschem Namen im Wissenschaftsinstitut auf Tahiti untergetaucht ist. Cordings Befürchtungen werden durch die Schilderungen des Mannes weit übertroffen. Der Manganabbau auf Makatea soll militärisch abgesichert werden und sehr schnell auf andere Inseln übergreifen. Das ist Raubbau in ganz großem Stil und eine Kriegserklärung dazu! Und das alles unter Ausschluss der Weltöffentlichkeit.
Im Gespräch mit Omai bietet Cording seine Unterstützung an. Omai ernennt ihn zum Informationsminister auf Zeit. Nun ist es der Deutsche, der Tahitis Öffentlichkeitsarbeit koordiniert. Cording ruft Steve in London an und bittet ihn inständig, sofort nach Tahiti zu kommen, um ihm zu helfen. Der Junge folgt der Aufforderung nur zu gerne. Gemeinsam organisieren sie den Widerstand im Internet. Es gelingt ihnen, innerhalb kürzester Zeit eine weltweite Protestwelle ins Rollen zu bringen, die Tahiti auf die politische Landkarte setzt. Der Vorfall wird sogar in der UNO diskutiert, wo Omai die Amerikaner und Chinesen in einer viel beachteten Rede als Hühnerdiebe im Hinterhof Polynesiens outet.

Steve installiert ein Internet-Parlament, er organisiert ein weltweites Benefizizkonzert sowie eine Spendensammlung. Gleichzeitig gelingt es ihm, hunderte nationaler Umweltschutzorganisationen unter einem Dach zu vereinigen. Omai avanciert im Internet zum weltweiten Medienstar. Der Kult um ihn scheint sich zu verselbstständigen. Zu lange haben die Betrogenen, Sorgenvollen und Betroffenen dieser Welt auf eine Identifikationsfigur gewartet. Zu lange hatte der ungezügelte Kapitalismus an den Menschen vorbei gewirtschaftet. Durch das Tahiti-Projekt und durch die Person Omais, der in der Welt als „Öko-Gandhi“ gefeiert wird, knüpft Tahiti an seinen alten Mythos an: der Mythos vom Paradies auf Erden. Jetzt, da die Ressourcen weitgehend geplündert und die Sozialsysteme verrottet sind, erwächst der Widerstand gegen die Mächtigen wie von selbst. In Omai und Tahiti ist der kranken Welt ein Synonym für ihre Hoffnung erwachsen. Das ist weit mehr, als die Initiatoren des Tahiti-Projekts je zu hoffen gewagt hatten...

Die Maeva Trilogie

Maeva Trilogie frei t

Das Tahiti Projekt ist der erste Teil der Maeva Trilogie.

Danach erschienen sind

Maeva (Der Südsee Virus)

sowie

Feuer am Fuss

Die Romane sind dennoch eigenständige Geschichten und können problemlos ohne Vorkenntnisse gelesen werden.

 

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